Tod...

Da ich momentan wieder im Praktikum bin und auch viel auf der ITS (Intensievstation) zu tun habe, wo ich oft mit dem Thema Tod konfrontiert werde möchte ich hierzu gern einmal meine Gedanken aufschreiben.

 

Viele sagen der Tod sei grausam, doch ist er das wirklich?

Natürlich trauert man, wenn ein geliebter Mensch von uns geht. Es ist das "Nie wieder...", das die Menschen traurig macht.

Nie wieder das geliebte Lächeln...

Nie wieder die alte Geschichte, schon einhundert mal erzählt und doch immer wieder gelacht...

Nie wieder die liebenswürdigen Macken, die man eigentlich so geliebt hat...

Nie wieder in die Arme schließen...

 

Auch ich habe schon geliebte Menschen verloren und mir ging es genau so. Besonders schlimm ist es, wenn ein Mensch viel zu früh und viel zu plötzlich stirbt. Man möchte die Menschen festhalten, sie mit allen Mitteln ans Leben binden, doch man muss aufpassen.

Der Wunsch das Leben zu halten kann auch egoistisch sein. Der Tod kann auch Erlösung sein. Vorallem für sehr alte Menschen.

Wie oft habe ich in den letzten 4 Wochen gehört: "Eigentlich will ich garnicht mehr... ", oder "Wäre ich doch auf dem OP-Tisch geblieben..." Die Worte von Menschen in den 80ern und 90ern ihres Lebens. Sie sind Müde, vom Schmerz zerfressen, dement oder können sich sogar kaum noch bewegen. Die Abhängigkeit von Pflegepersonal macht sie verrückt. Sie fühlen sich nutzlos und schlecht, weil sich ständig jemand um sie kümmern muss.

Dann stehe ich da, ein junges Ding von grade mal 18 Jahren. Im Zwiespalt. Auf der einen Seite Zuhörer, Mutmacher. Immer im Versuch positive Gedanken zu übermitteln, während sie vor Schmerz während der Behandlung die Luft anhalten, weil die Narbe, nach dem Einsetzten einer Künstlichen Hüfte noch so schmerzt. Auf der anderen Seite voll Verstehen und Mitgefühl für den Wunsch nach dem Tod. Ewig Leben heißt auch, ewig Erinnerungen mit sich tragen, die man lieber vergessen möchte, ewig um schon Verstorbene trauern, ewige Vereinsamung, ewige Schmerzen und Körperlicher Verfall. Dann denke ich an deren Angehörige, die trauern würden, an die kleinen Kinder, die weinen würden, wenn die Oma oder die Uroma jetzt sterben würde. Und wieder rede ich gut zu, versuch den Alten die schönen Seiten zu zeigen, die ihr Leben noch haben kann, obwohl ich weiß, dass meine Worte leer in ihren Ohren sind, auch wenn sie sich dankbar für meine Versuche zeigen.

 

Wenn also ein Geliebter Mensch von euch geht, für den es Zeit ist zu gehen, dann lasst ihn los. Alles andere wäre egoistisch. Trauert, um seinen, Geist, der nie wieder eure Welt mit seinen Worten füllen wird, um das Lachen, das nie wieder euer Herz erwärmen wird und um all die Zeit eures restlichen Lebens, dass ihr ohne ihn verbringen werdet.

Aber lasst ihn gehen und gönnt ihm die Ruhe, nach einem 80- oder 90-jährigen Leben. Er hat sie sich verdient.

Freut euch über die Zeit, die ihr mit ihm hattet. Haltet die Erinnerungen in eurem Gedächtnis und gebt sie an andere weiter. Seid froh, dass der Mensch Erlösung gefunden hat.

Ich bin kein christlicher Mensch und glaube nicht an einen Himmel, oder die Wiedergeburt oder Ähnliches, aber ich denke, dass der Tod eine Erlösung bietet, die man im Leben nicht finden kann. Aber erst, wenn man es gelebt hat (Ich bin kein Befürworter von Selbstmord!).

 

Mit diesen Gedanken möchte ich euch nun allein lassen. Wenn ihr noch etwas dazu loswerden möchtet, dann seid herzlich eingeladen es mir zu schreiben. Ansonsten überlasse ich euch nun euren eigenen Gedanken...

Lg Faith

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Rose (Samstag, 16 Februar 2013 21:12)

    Hm..Tod ist eine eigene Thema.
    Und Loslassen ist sehr schwer..in verschiedenen Lebenssituationen. Loss lassen verstehen Menschen oft als "sich verabschieden zu müssen"..von einen Menschden, sache, Gedanke, Traum..das fehlt sehr schwer, wenn man es liebt!
    Nur jederMensch braucht die richtige zeit um zu sehen, dass man Jetzt los lassen muss. es ist unterschiedlich. Ich spreche aus der erfahrung. Diese zeitpunkt spürt man aber drin dann. bei mir war es auf so einer Weise - "jetzt kann ich sowieso nichts mehr machen, ist mir egal.." es hat mir losszulassen geholfen.
    Alle Dinge brauchen einfach die richtige Zeit!
    Und keiner weiss, wie er in einer extremen Sitauation, sowie auch der Tod ist reagieren wird - anders wenn es sich um einen Fremden handelt, anders, wenn es um einen geliebten Menschen geht..

    In viele sachen hast du recht..aber jede Mensch ist anders..auch, die Menschen, die du bei der Arbeit begegnest.

    Ich verstehe dir aber sehr wohl, was du da schreiben oder sagen wolltest..


    ps - mag deine Themen..geben viel, wenn man auch zwischen den zeilen lesen kann :)

    LG, Rose

  • #2

    faiths-welt (Sonntag, 17 Februar 2013 12:20)

    Hallo Rose,
    ja du hast Recht. Es ist schwehr sich zu verabschieden und jeder muss seinen eigenen Weg finden.
    Ich habe hier den meinen beschreiben. Für mich ist der Tod eine Art "Erlösung". Ich stelle mir vor, dass der Geliebte Mensch, den ich verloren habe nicht mehr leiden muss und so komme ich über seinen Tod hinweg.

    Du sprichst den Abschied an. Ein schwieriges Unterfangen angesichts der Tatsache, dass Dinge, wie Träume und Gedanken, aber auch Menschen (duch Situationen, die man mit ihnen erlebt hat) ein Teil von uns sind. verabschiedet man diese für immer, so verliert man einen Teil von sich selbst. Das stimmt. Aber dafür gibt es dann auch Raum für einen neuen Traum, einen neuen Gedanken. Leider, nicht für einen neuen Menschen... Ein Mensch und die Beziehung die man zu ihm hat ist ungleich komplexer, als ein Gedanke, oder ein Traum. Deshalb ist es auch so schwehr ihn loszulassen.

    Natürlich hast du Recht, jeder Mensch ist anders und jeder wird anders damit fertig.
    Ich habe Meinen persönlichen Weg aufgeschrieb, weil ich hoffe, dass er vielleicht auch anderen Menschen helfen kann :)

    Ich danke dir für deine ehrliche Meinung :)


    PS: Es freut mich, dass dir meine Themen gefallen und dir viel gben :)