Sa

02

Feb

2013

Tod...

Da ich momentan wieder im Praktikum bin und auch viel auf der ITS (Intensievstation) zu tun habe, wo ich oft mit dem Thema Tod konfrontiert werde möchte ich hierzu gern einmal meine Gedanken aufschreiben.

 

Viele sagen der Tod sei grausam, doch ist er das wirklich?

Natürlich trauert man, wenn ein geliebter Mensch von uns geht. Es ist das "Nie wieder...", das die Menschen traurig macht.

Nie wieder das geliebte Lächeln...

Nie wieder die alte Geschichte, schon einhundert mal erzählt und doch immer wieder gelacht...

Nie wieder die liebenswürdigen Macken, die man eigentlich so geliebt hat...

Nie wieder in die Arme schließen...

 

Auch ich habe schon geliebte Menschen verloren und mir ging es genau so. Besonders schlimm ist es, wenn ein Mensch viel zu früh und viel zu plötzlich stirbt. Man möchte die Menschen festhalten, sie mit allen Mitteln ans Leben binden, doch man muss aufpassen.

Der Wunsch das Leben zu halten kann auch egoistisch sein. Der Tod kann auch Erlösung sein. Vorallem für sehr alte Menschen.

Wie oft habe ich in den letzten 4 Wochen gehört: "Eigentlich will ich garnicht mehr... ", oder "Wäre ich doch auf dem OP-Tisch geblieben..." Die Worte von Menschen in den 80ern und 90ern ihres Lebens. Sie sind Müde, vom Schmerz zerfressen, dement oder können sich sogar kaum noch bewegen. Die Abhängigkeit von Pflegepersonal macht sie verrückt. Sie fühlen sich nutzlos und schlecht, weil sich ständig jemand um sie kümmern muss.

Dann stehe ich da, ein junges Ding von grade mal 18 Jahren. Im Zwiespalt. Auf der einen Seite Zuhörer, Mutmacher. Immer im Versuch positive Gedanken zu übermitteln, während sie vor Schmerz während der Behandlung die Luft anhalten, weil die Narbe, nach dem Einsetzten einer Künstlichen Hüfte noch so schmerzt. Auf der anderen Seite voll Verstehen und Mitgefühl für den Wunsch nach dem Tod. Ewig Leben heißt auch, ewig Erinnerungen mit sich tragen, die man lieber vergessen möchte, ewig um schon Verstorbene trauern, ewige Vereinsamung, ewige Schmerzen und Körperlicher Verfall. Dann denke ich an deren Angehörige, die trauern würden, an die kleinen Kinder, die weinen würden, wenn die Oma oder die Uroma jetzt sterben würde. Und wieder rede ich gut zu, versuch den Alten die schönen Seiten zu zeigen, die ihr Leben noch haben kann, obwohl ich weiß, dass meine Worte leer in ihren Ohren sind, auch wenn sie sich dankbar für meine Versuche zeigen.

 

Wenn also ein Geliebter Mensch von euch geht, für den es Zeit ist zu gehen, dann lasst ihn los. Alles andere wäre egoistisch. Trauert, um seinen, Geist, der nie wieder eure Welt mit seinen Worten füllen wird, um das Lachen, das nie wieder euer Herz erwärmen wird und um all die Zeit eures restlichen Lebens, dass ihr ohne ihn verbringen werdet.

Aber lasst ihn gehen und gönnt ihm die Ruhe, nach einem 80- oder 90-jährigen Leben. Er hat sie sich verdient.

Freut euch über die Zeit, die ihr mit ihm hattet. Haltet die Erinnerungen in eurem Gedächtnis und gebt sie an andere weiter. Seid froh, dass der Mensch Erlösung gefunden hat.

Ich bin kein christlicher Mensch und glaube nicht an einen Himmel, oder die Wiedergeburt oder Ähnliches, aber ich denke, dass der Tod eine Erlösung bietet, die man im Leben nicht finden kann. Aber erst, wenn man es gelebt hat (Ich bin kein Befürworter von Selbstmord!).

 

Mit diesen Gedanken möchte ich euch nun allein lassen. Wenn ihr noch etwas dazu loswerden möchtet, dann seid herzlich eingeladen es mir zu schreiben. Ansonsten überlasse ich euch nun euren eigenen Gedanken...

Lg Faith

 

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