Dämonentage

1. Zerstörtes Licht

Einst lebten alle Fabelwesen glücklich und in Frieden in der Welt, die sich die Menschen für sie ausgedacht hatten. Es schien immer eine warme Sonne und kleine weiße Wolken flogen langsam über den blauen Himmel. Blumen blühten in den verschiedensten Farben und Formen, es gab riesige Wälder, wunderschöne Wiesen, glasklare Seen und sanfte Berge. Die Fabelwesen traten nicht mit den Menschen in Verbindung und doch beeinflussten diese Ihre Welt von Anfang an, denn diese Welt war der Traum und die Hoffnung aller Menschen. Alles war gut und die Menschen gaben den Fabelwesen nur gute Eigenschaften, jede Geschichte hatte ein Happyend, jeder Streit, konnte geschlichtet werden. So lebten die Wesen der Fantasie lange und glücklich in der Traumwelt der Menschen, doch diese wurden über die Jahrhunderte immer verbitterter und die Welt der Fabelwesen brach langsam in sich zusammen. Die Bäume verdorrten und Gras und Blumen starben, dicke, graue Wolken bedeckten nun den Himmel und die Nächte waren Sternen- und Mondlos. Friedlich Wölfe wurden zu Wehrwölfen, Elfen wurden zu Vampiren, Zauberinnen wurden zu Hexen und Zauberer zu Hexenmeistern, weise und aufrichtige Drachen wurden zu schwarzen Monstern und viele Dämonen entstanden. Seit dem erleiden die Fantasiewesen schreckliches Leid und der Tod beherrscht ihre Welt. Und an allem sind nur die Menschen schuld!
Eines Tages fanden die Wesen eine Brücke in die Welt der Menschen und leben nun in dieser. Sie haben Rache geschworen und kommen jede Nacht aus ihren Verstecken um ihren Rachedurst zu stillen. Der Alptraum hat begonnen!

 

2. Verlorene Liebe

An einem wunderbaren Tag, wie es jeder Tag in der Welt der Fabelwesen war, spazierte Yuna, eine junge Drachendame, über eine wunderschöne, grüne Wiese. Ein leises Rauschen war zu hören, als der Wind sanft zwischen die Grashalme blies und sie im Wind wogten, wie Wellen im Meer.
Yunas Füße setzten vorsichtig auf dem grünen Teppich auf, um keine der wunderschönen Blumen zu zertreten, die ab und zu als Farbiger Fleck aus dem grünen Meer ragten. Sie warme Sonne schien auf die weißen Schuppen des Drachenmädchens, welche es hundertfach reflektieren und den Anschein erweckten, dass Yuna leuchtete. Sie hatte gerade etwas gegessen und war nun etwas träge, deshalb ließ sie sich einfach dort nieder, wo sie eben noch gestanden hatte und genoss die warme Sonne. Gerade war sie eingeschlafen, als plötzlich ein stattlicher, dunkelblauer Drache vor ihr stand. Er musste etwa in ihrem Alter sein und auch seine Schuppen brachen das Licht und warfen blaue Lichtpunkte auf sie und die Erde. Die weiße öffnete die Augen, gab einen erschrockenen Laut von sich und sprang auf. „Es tut mir leid falls ich dich erschreckt habe, aber ich war neugierig, wer hier wohl liegen mochte. Mein Name ist Tyron“, sagte er. „Oh!“, erwiderte Yuna, “ tut mir sehr leid, es war mein Fehler ich habe dich nicht kommen hören. Mein Name ist Yuna und es freut mich sehr, dich kennen zu lernen.“ Die Weiße lächelte sanft. Sie wurde auf seine Augenaufmerksam. Sie waren so azurblau, wie das Meer am westlichen Strand des Landes. Warm lächelte Tyron zurück und sagte: „Hast du Lust ein kleines Stück spazieren zu gehen?“ Da konnte die junge Drachendame nicht ablehnen. Sie wollte den Anderen näher kennenlernen und fühlte sich wohl in seiner Nähe.
Es war ein langer Spaziergang. Nach etwa einer Stunde kamen sie am Waldrand an. Als sie weitergingen begrüßte sie das Rauschen der Bäume und ein Spiel aus Licht und Schatten, dass das offene Blätterdach auf den Boden zeichnete. Yuna rückte näher an das Drachenmännchen heran und auch Tyron sah immer häufiger in die Richtung der weißen. „Du bist wunderschön“, sagte er schließlich und Yuna sah nur verlegen auf den Boden. Ich bin müde, sagte die Drachendame und legte sich. Der Blaue legte sich zu ihr und sie schmiegte sich eng an ihn.
Als sie wieder aufwachte lag sie immer noch dicht an Tyron gekuschelt. Da war ein Gefühl, dass sie nie zuvor gefühlt hatte. Ihre innere Stimme flüsterte ihr zu, dass es Liebe war und als sie erneut zu Tyron sah wusste sie, dass es die Wahrheit war. Sie hatte sich verliebt. Plötzlich und unerwartet, aber wunderbar. „Ich liebe dich“, flüsterte sie Tyron leise in Ohr und er erwiderte: „ich liebe dich auch und ich möchte dich niemals verlieren.“
So lagen sie noch den ganzen Tag und genossen das wunderbare Gefühl.

Etwa ein Jahr hatten Tyron und Yuna nun glücklich miteinander verbracht, als ihre Welt plötzlich anfing, sich zu zerstören. Dicke, grauschwarze Wolken zogen auf, die die Sonne und mit ihr alle Farben verdeckten. Die Wiese, auf der sie sich das erste Mal gesehen hatte wurde erst zu einer Steppe und dann zu einer kahlen, grauen Wüste aus Stein. Die Bäume verdorrten und zurück blieben trockene, abgebrochene Stämme auf nacktem Boden. Es flogen keine Schmetterlinge mehr und auch sonst fehlten sämtliche Insekten. Auch die Pflanzen waren bald vollständig zerstört und die Fabelwesen lebten nun in einer Gigantischen Wüste, die von Tod umgeben war. Tyron litt sehr an dieser Verwandlung ihrer Welt. Er zog sich immer mehr in sich zurück. Seine Seele wurde immer mehr zerfressen, bis er schließlich im Sterben lag. Yuna stand neben ihm, als er seine Letzten Worte hauchte: „Ich liebe dich.“ Dann verschleierten seine Augen und er starrte auf einen unbestimmten Punkt im Himmel. Eine Träne rollte die Wange der weißen hinab und verwandelte sich noch im Flug in einen glasklaren Diamanten, welcher mit einem leisen pling auf den Staubigen Boden aus grauem Sand aufkam. Sie begann zu schluchzen und immer mehr Tränen liefen ihr Gesicht entlang und verwandelten sich in Diamanten, als sie auf dem Boden aufkamen.
Yuna legte sich auf den Boden, rollte sich zusammen und weinte. Stundenlang, tagelang, wochenlang. Bald waren ihre Tränen versiegt und ihre Trauer so groß, dass nur noch leise Schluchzer zu hören waren und eines Tages waren auch sie verklungen und Yuna war tot.

3. Die Zeit der Rache

Ich war ein ganz normaler weißer, geflügelter Wolf. Ich lebte schon seit etwa 10 Jahren in dieser wunderbaren Welt aus Träumen, als mein Leben plötzlich zur Hölle wurde. Wie auch in anderen Teilen des Landes zogen Dicke Wolken auf, die alles verdunkelten. Das Wasser aus der klaren Quelle, die hier in den Bergen entsprang wurde plötzlich schwarz und vergiftete unsere Seelen und unsere Körper. Ich spürte es schon, als ich das erste Mal von dem schwarzen Wasser trank. Es schmeckte bitter und metallisch und als ich den ersten Schluck genommen hatte starb etwas in mir, das spürte ich. Mir war bereits damals bewusst gewesen, dass das Wasser uns vergiftete aber ich hatte mir gedacht, dass es immer noch besser sei, als nicht zu verdursten. Doch ich hatte mich geirrt. Einige, deren Körper zu schwach waren brachte das Wasser auf grausame Weise um. Sie wurden von innenheraus von einer schrecklichen Dunkelheit zerfressen. Einmal habe diesen scheußlichen Tod mit ansehen müssen. Meinen besten Freund hatte das traurige Schicksal ereilt. Eines Tages, wir hatten ganz normal mit einander gesprochen, da begann er plötzlich zu würgen und kurz darauf kam eine Art… Dunkle Masse aus seinem Maul. Sie floss wie Öl aus seinem Maul und vermischte sich mit Blut, das danach auch aus seinem Rachen gedrungen war. Seine Flügel verloren all ihre Federn und wurden dann von der Dunklen Masse zerfressen. Auch sein Fell färbte sich plötzlich schwarz und löste sich dann auf, wie von Säure verätzt und die Haut, die darunter zum Vorschein kam, schien in einem unsichtbaren Feuer zu verbrennen. Bald war nur noch sein Gerippe zu sehen, an dem Reste von verbranntem Fleisch und Blut klebten. Das Ganze war so schnell gegangen, dass mein Freund nur einen erstickten Schrei ausstoßen konnte und im nächsten Moment schon Tod war. Doch ich hatte nicht viel Zeit zu trauern, denn nun setzten auch bei mir schreckliche Schmerzen ein. Es fühlte sich an, wie hunderte Messerstiche. Auch den anderen erging es so und die, die es nicht aushielten brachten sich um. Der Prozess meiner Umwandlung dauerte einige Tage und je mehr ich von dem Wasser trank, desto größer wurden die Schmerzen, aber mein Überlebensinstinkt zwang mich dazu weiter zu trinken. Erst wurde mein Fell dunkler, bis es schließlich die Farbe einer Sternen- und Mondlosen Nacht hatte. Dann begannen meine Flügel sich auf sonderbare Art auf zu lösen. Mein Schwanz wurde kürzer, genau wie meine Vorderbeine, die sich langsam zu Armen mit Klauenartigen Händen verwandelten. Währenddessen wurden meine Hinterbeine länger, mein Rücken krümmte sich leicht und ich lief nun auf 2 Beinen. Außerdem wurden meine Zähne immer größer, meine beiden Eckzähne wurden sogar so groß, dass ein Stück von ihnen aus meinem Maul ragte, selbst wenn es geschlossen war. Während der äußeren Verwandlung veränderte sich auch meine Seele. Mein Hass auf die Menschen, die für meine Schmerzen verantwortlich waren, wuchs und wurde bald unerträglich. Wären dieser Zeit hätte ich mir gewünscht, ich wäre doch verdurstet, doch das Schicksal hatte anderes mit mir vor. Mein Hass schlug bald in Rachsucht um, die so stark war, dass sie fast Körperlich wehtat. Als ich dachte, sie würde mich zerreißen, fand ich die Brücke in die Welt der Menschen. Ich ging darüber und ermordete den ersten Menschen, den ich sah. Dies tat so gut, dass ich in einen Blutrausch verfiel und in dieser Nacht noch etwa 15 andere Menschen umbrachte, ja geradezu zerriss. Bald folgten mir auch alle Anderen über die Brücke aus Hass und Rächten sich an den Menschen. Heute ist die Brücke zerfallen und wir müssen in dieser Welt bleiben und unseren Rachedurst, durch den Tod befriedigen, bevor wir selbst daran sterben.

~ The End ~

(2010)