Flucht aus dem Labor

Whitemoon wuchs in einem kleinen Rudel auf. Sie hatte gerade eine Kriegerausbildung hinter sich gebracht und war nun eine stolze Kriegerin ihre Rudels, doch der Frieden sollte nicht von Dauer sein. Sie war gerade zur Kriegerin ernannt worden, als Menschen plötzlich in ihr Revier kamen. Laute Schüsse zerrissen die Stille und der erste Wolf schrie schmerzerfüllt auf. White wollte davonrennen, doch plötzlich stand einer der Zweibeiner vor ihr. Panisch sah sie nach rechts und links, doch auch da standen überall Menschen. Plötzlich tauchte wie aus dem Nichts ihre Mutter auf und stürzte sich auf den, der direkt vor der Weißen stand. Er stieß einen erstickten Schrei aus und ging zu Boden. Dann biss ihre Mutter ihm die Kehle durch. Sie bezahlte teuer dafür. Ein Schuss fiel und in White zerbrach etwas. Sie sah, wie der Schuss direkt durch den Kopf ihrer Mutter ging. Die Fähe verdrehte die Augen und brach tot zusammen. Vor Schmerz und Trauer heulte Whitemoon warf sich auf den Menschen, der ihre Mutter ermordet hatte, doch sie kam nicht weit. Sie sah nur den Schaft eines Gewehres auf sich zurasen. Dann wurde ihr schwarz vor Augen. Mit einem dumpfen Geräusch viel sie auf den harten Boden und rührte sich nicht mehr.

Whitemoon öffnete die Augen. Sie lag in einem Raum voller Kabel und Schläuche und die Wände waren verchromt. Ein seltsamer grüner Schein erhellte den Raum, doch sie konnte nicht erkennen, wo sich die Quelle des Leuchtens befand. Sie wollte aufstehen und bemerkte erst jetzt, dass all die Kabel, die sie entdeckt hatte von ihr ausgingen. Ein leiser Schrei entwich ihrer Kehle. Tief in ihrer haut waren Schläuche eingelassen, durch die eine seltsam hellblaue Flüssigkeit lief. An einigen Stellen hatte man ihr Fell abrasiert und stattdessen waren große Synapsen zu sehen, die an lange Kabel angeschlossen waren. Sie selbst war auf einem großen Edelstahltisch platziert. Neben ihr stand ein Gerät, dass in regelmäßigem Tackt immer wieder piep… piep… piep… machte. Jetzt, da sie aufgewacht war, war das Geräusch noch immer gleichmäßig, folgte aber nichtmehr hundertprozentig dem Takt. Außerdem war ihr Fell nicht mehr weiß, sondern hellblau und wies komische dunklere Ornamente auf.

Noch ehe White Zeit hatte darüber nach zu denken kam ein Mensch durch die ebenfalls verchromte Tür. Plötzlich begann ihr Herz angstvoll schneller zu schlagen und die Töne des seltsamen Gerätes wurden immer schneller und unregelmäßiger. „Ruhig… ganz ruhig. Ich werde dir nicht tun“, drang eine warme Männerstimme an ihr Ohr. White wollte aufstehen, doch sie konnte nicht. Ihre Beine waren wie gelähmt. Der Mensch kam immer näher und als er bei ihr angekommen war streichelte er ihr durchs Fell. Die Berührung war unangenehm aber Whitemoon hatte keine andere Wahl als sie zu zulassen. Ihr habt meine Mutter ermordet! Dachte sie wütend und nahm sich vor den Menschen zu töten, sobald sie aufstehen konnte. Der Zweibeiner bemerkte nichts davon und begann damit, die zahllosen Schläuche und Kabel von ihrem Körper zu lösen. Bevor er den letzten löste legte er ihr ein Band um den Hals. Dann schloss er mit einer geschickten Bewegung auch noch den letzten Schlauch ab und White spürte, wie das Gefühl in ihre Beine zurückkahm. Sie wartete noch eine Sekunde und stand blitzschnell auf, doch noch ehe sie springen konnte hatte der Mensch eine Fernbedienung in der Hand und betätigte den einzigen Knopf, der darauf zu sehen war. Ein beißender Schmerz durchführ Whitemoons Körper und sie fiel sofort wieder hin. „Versuch das nicht noch einmal“, sagte der Mensch böse. Dann kettete er eine eiserne Leine an Whites Halsband. Er zog daran und die Hellblaue folgte ihm. Sie wagte es nicht sich erneut zu wiedersetzen und den Schmerz noch einmal durchleben zu müssen.

Sie gingen durch einen langen Gang. Das Licht, dass hier herrschte war ein kaltes, helles Blau. Rechts und links von ihr erstreckten sich Glasbehälter, die mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt waren. In dieser schwammen… Wesen. Sie waren vollkommen nackt, hatte 2 Köpfe oder 6 Beine. Ihre Augen waren geschlossen und ihre Gliedmaßen teilweise verkrüppelt. Einige wiesen Ansätze leuchtender Ornamente auf, so wie sie auch auf Whitemoons Fell zu sehen waren. Mit dem Unterschied, dass sie Bei den Wesen seicht durch die haut schimmerten, während sie bei White in das Fellmuster eingearbeitet waren. Sie riss ihren Blick von den angsteinflößenden Gestalten los und sah nun auf den Boden. Er war mit weißen Kacheln gefliest, die jedoch durch das Licht auch blau und kalt wirkten. Nicht wenige waren von einem Riss durchzogen. Manch wackelten sogar unter ihrer Last. Endlich waren sie am Ende des Flures angelangt. Sie gingen durch eine weitere Tür, hinter der sich ein großer Raum mit allerlei seltsamen Maschinen befand. Das Licht war hier rot. White musste auf einen Tisch springen, wo sie sich flach auf den Bauch legte und dann alle vier Beine von sich strecken musste. Ihre Pfoten wurden mit Lederriemen angebunden. Dann verabreichte ein anderer Mensch ihr eine Spritze und bunte Farben bildeten sich vor ihren Augen. Alles verschwamm und White fühlte sich so leicht wie eine Feder. Doch dann ließ die Wirkung des Spritzeninhalts nach und Whitemoon fühlte sich nun wie ein Stein. Sie hatte schreckliche Magenkrämpfe und eine frisch vernähte Wunde in ihrer Flanke war zu sehen. Sie schmerzte. Grob zerrte der Mensch an ihrer Leine und White kämpfte sich in die Höhe. Alles drehte sich und sie drohte um zu fallen.

Irgendwie –sie wusste selbst nicht wie- schaffte sie es zurück in den Raum, in dem sie aufgewacht war. Dort stand nun ein Käfig. Sie wurde wieder an die Geräte angeschlossen und in den Käfig gesperrt. Kaum war der Mensch verschwunden würgte die hellblaue ihren nicht vorhandenen Mageninhalt aus. Die übel riechende Masse breitete sich in der einen Hälfte des Käfigs aus und White platzierte sich so wie möglich davon weg (was nicht sehr weit in dem kleinen Käfig war). Einige Stunden danach kam der Werter wieder und brachte ihr einen Napf mit einer Zähen Masse darin. White wurde schon wieder übel, wenn sie ihr „Essen“ nur ansah.

So verbrachte sie die Tage im Labor. Nach dem vierten hatte sie aufgehört zu zählen und so vermochte sie später auch nicht zu sagen, wie lange sie im Labor verbracht hatte. Jeden Tag musste sie durch den furchterregenden Flur. Mit der Zeit viel ihr auf, dass manche der gruseligen Gestalten verschwanden und dafür neue hinzu kamen. Nach einigen Tagen hatte sich ihr Körper an die Droge gewöhnt, die sie im Labor bekam und sie musste sich nicht mehr übergeben. Dafür wurden ihre Magenkrämpfe von Tag zu Tag schlimmer und auch an die widerwärtige Nahrung gewöhnte sie sich. Manchmal sah sie andere an ihr vorbei laufen. Es waren meistens Wölfe aber unter ihnen waren auch Raubkatzen, gigantische Ratten, Bären, ja sogar einmal eine riesige Schlange.

Eines Tages, der Wärter kam grade herein, um sie zum Labor zu bringen, da kam noch ein anderer Mensch durch die Tür. Sie hatte diesen Menschen noch nie zuvor gesehen. Er sprach mit ihrem Wärter. Als er fertig war verließ er den Raum wieder und der Wärter leinte sie an, wie immer. Doch er hatte eines übersehen. Als der Fremde mit ihm geredet hatte, hatte er die Fernbedienung auf einen Tisch gelegt. White wartete, bis er die Tür zum Flur öffnete, dann sprang sie ihn an und biss ihm die Kehle durch. Leider konnte der Wärter noch schreien und der Mann im Labor hörte dies. Er betätigte den Alarm. White rannte den Flur entlang. Neben der Tür der Labors lag noch eine weiter Tür, der White nie Beachtung geschenkt hatte, doch jetzt war sie ihre einzige Hoffnung.

Ein Mensch platzte genau in diesem Moment durch die Tür und schrie erschrocken auf, als er sie sah. Das nutzte die Hellblaue und warf ihn zu Boden. Sie lief über ihn hinweg durch die Tür und ihr Atem stockte. Vor ihr erstreckte sich ein gigantischer Raum. Soweit das Auge Reichte sah sie Glasbehälter mit verstümmelten Wesen und dazwischen Menschen. Überall Menschen. Es wimmelte plötzlich von ihnen. So leise sie konnte schlich White zwischen den Behältern lang und achtete auf jedes Geräusch. Plötzlich stand ein Mensch direkt vor ihr. Sie hätte beinahe aufgeschrien, doch er stand mit dem Rücken zu ihr. Vorsichtig zog sie sich hinter den Glasbehälter zurück, der auf dem ersten halben Meter mit Chrom überzogen war. Eine Sekunde später drehte sich der Mensch um und spähte misstrauisch durch die Reihen. Schnell schlich White weiter. Die Zeit schien still zu stehen und der Raum schien unendlich groß zu sein. Die hellblaue konnte ihr eigenes Hertz so laut schlagen hören, dass sie befürchtete, dass es die Menschen hören konnten. Zum Glück hatten diese Wesen ein Gehör wie tote Hasen. Sie waren praktisch taub für Whites Begriffe. Sie schlich weiter und dann… endlich! Sie hatte das Ende des Raumes erreicht.

Das Glück war auf ihrer Seite. Die Tür stand einen Spalt weit offen und so konnte die Hellblaue sie vollständig öffnen und entwischen. Helles Sonnenlicht blendete ihre Augen und sie musste sie zukneifen. White blinzelte und langsam gewöhnten sich ihre Augen an das Licht. Sie stand in einem Wald. Die Sonne, die eben noch ihre Augen geblendet hatte schien wärmend durch das Blätterdach der Bäume. Hinter ihr war nur eine kleine Erhebung mit einer Tür. Dahinter lief Flach ein Hügel ab. Das Labor lag unter der Erde! Hinter ihr wurden Stimmen deutlich. Sie konnte später darüber nachdenken. Jetzt nahm sie die Beine in die Hand und rannte so weit weg, wie sie nur konnte.

~ The End ~

(2010)