Freiheit

 

Dort steht sie.

Der Regen liebkost ihr Gesicht, bahnt sich den Weg durch ihr langes Haar, bis er schließlich als kleines, tropfenförmiges Prisma auf die Erde fällt und am Boden zerschellt.

Sie sieht nach oben, spürt die kühlen Tropfen, die auf ihre weiche Haut schlagen. Sie fühlt den Wind, der ihr zart über die Wangen streicht.

Sie riecht den Duft der Pflanzen, eingefangen und kondensiert in der warmen, feuchten Sommerluft.

Ihre nackten Füße berühren den rauen Fels und das satte Grün der Bäume um sie herum bildet einen Kontrast zu dem grau bedeckten Himmel.

Dann läuft sie los, erst ganz langsam, dann immer schneller, bis sie rennt und ihre Lungen sich kraftvoll mit der frischen, regengeschwängerten Luft füllen .

Immer schneller setzten ihre Füße auf dem Boden auf und verlassen diesen sogleich wieder, um für einen kurzen Moment in der Luft zu schweben, ohne halt, uneingeschränkt.

Dann springt sie, und ein kribbelndes Gefühl macht sich in ihrem Bauch breit, bevor das kühle Nass des Sees sie umschließt.

Schwerelosigkeit umgibt sie und das Wasser trägt sie, wie der Wind den Vogel. 

Frei von Sorgen, frei von Ängsten und Nöten, einzig mit dem Gefühl von purem Glück taucht sie wieder auf und lacht, lacht als wäre es der glücklichste Tag ihres Lebens und das ist er auch, denn es ist Sommer. 

~The End~

(2013)