Leeres Bett...

 

Heute ist ein guter Tag. Ich öffne die Tür und das warme Licht der Sonne scheint auf mein Gesicht. Der kleine Keim der Hoffnung, den ich seit Wochen hege und pflege scheint gewachsen zu sein.

Mein Herz ist schwer, doch ich kann die Last nun besser tragen.

Die Vögel zwitschern, der Wind rauscht sanft durch die Blätter und die Baumkronen zaubern ein Spiel aus Licht und Schatten auf die Erde.

Ich beginne meinen täglichen Weg zu gehen.

Alles wirkt so friedlich, als wolle die ganze Welt mich einladen zu hoffen.

Ein seichtes Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht und ich denke an ihn, an die Art, wie er das Gesicht verzieht, wenn er mich zum Lachen bringen will, an seine warmen Hände, an seine sanften Küsse.

Ich erinnere mich daran, wie wir uns zum ersten Mal sahen, in diesem kleinen Café, wie er mich charmant fragte, ob der Platz neben mir noch frei wäre. 

Bei dem Gedanken verbreiterte sich mein Lächeln.

Ich freute mich darauf ihn wieder zu sehen. Plötzlich war ich mir sicher, dass alles wieder gut werden würde. Er würde wieder gesund werden.

Natürlich würde er das! Er durfte mich nicht einfach so verlassen.

Ich hatte eine Schachtel mit Pralinen dabei. Die Sorte, die er so liebte.

Die Hälfte des Weges lag nun hinter mir, als eine kleine schwarz-weiße Katze vor mir auftauchte.

Ich ging in die Hocke, um sie zu streicheln. Sie schmiegte sich an mich und schnurrte laut.

Als ich wieder aufstand und weiter ging sah sie mich mit großen Augen an, als wolle sie sagen: „Warum hörst du schon auf?“

Die kleine Katze folgte mir noch einige Meter, drehte dann aber um und lief zurück nach Hause.

Nun konnte ich das Gebäude schon sehen.

Den Ort, an dem ich seit Wochen meine Nachmittage verbrachte, mit ihm.

Die Schiebetür ging vor mir auf und die Frau an der Rezeption begrüßte mich mit einem freundlichen Lächeln. Ich tat es ihr gleich, so wie jeden Tag.

Ich nahm den Fahrstuhl und stieg im zweiten Stock aus.

Dann ging ich durch die Schleuse, zog mich um und desinfizierte mir die Hände.

Ich konnte es kaum erwarten sein Gesicht zu sehen, wenn ich ihm die Pralinen gab. Er hatte seit er hier war keine Süßigkeiten mehr bekommen. Gestern hatte ich eine der Schwestern gefragt, ob es möglich wäre diese eine Ausnahme zu machen und nach einigem Verhandeln hatte sie sich schließlich erweichen lassen.

Ziemlich gut gelaunt schlenderte ich also über die Station und wunderte mich nur, dass ich keine einzige Schwester sah.

Dann stand ich vor seinem Zimmer mit der Nummer 203.

Ich öffnete die Tür voll freudiger Erwartung und mein Herz blieb stehen.

Der Pralinenkasten rutschte mir aus der Hand und alle Kraft war plötzlich aus meinem Körper gewichen. Meine Beine gaben einfach unter mir nach und eine Schwester stand auf einmal neben mir und fing mich auf.

Tränen traten mir in die Augen. Das… das konnte nicht sein! Ich schüttelte den Kopf und kniff die Augen zusammen. Nein! Das ging nicht, das war unmöglich!

Sicher war das nur ein böser Traum! Ich zwang mich die Augen noch einmal zu öffnen und die schreckliche Wahrheit riss mit ihren unerbittlichen Klauen ein Loch in mein Herz.

Sein Bett, das Bett des Jungen, den ich liebte. Es war leer. Einfach so, ohne Vorwarnung, ohne Erbarmen. Er war einfach fort, für immer und die Tränen fanden ihren Weg über meine Wangen.

~The End~

(2013)